Es gibt ja die­se Pha­sen, da hat man ein­fach kei­nen Bock auf bestimm­te Sachen. Kennt man: Kel­ler auf­räu­men, Steu­er­erklä­rung oder Horst See­hofer. Blog­gen hin­ge­gen gehört eher sel­ten dazu, weil ja eigent­lich lust­be­tont. Kommt aber den­noch vor und ist unschwer an der mäßi­gen Bei­trags­fre­quenz zu erken­nen. Die­se  Unlust gilt es mit dem heu­ti­gen Ein­trag zu über­win­den, so der Plan. Mit einer neue Mini-Serie des Koch­zi­vi­lis­ten, die der Head­line ent­spre­chend „Igitt­igitt …” hei­ßen soll. 

Zutaten zum Rösten

Fen­chel, Anis, Stern­anis und Kardamom.

Begin­nen wir mit Fen­chel und Anis. Da ken­ne ich den ein oder ande­ren, des­sen Teint sehr über­zeu­gend zwi­schen oliv­grün und mau­vefar­ben chan­giert, sobald man eines der oben genann­ten Zuta­ten erwähnt. Etwa die, deren Spröss­lin­ge regel­mä­ßig das elter­li­che Immun­sys­tem her­aus­for­dern­de Trief­na­sen aus Kita oder Schu­le mit­brach­ten, wor­auf­hin die gan­ze Bude wohl tage­lang nach Fen­chel­ho­nig-ver­setz­ten Heiß­ge­trän­ken duf­te­te. Oder jene, deren Stamm-Grie­che so enthu­si­as­tisch aus der Pul­le „für mei­ne guten Freun­de” ein­schenk­te, dass man bis zum nächs­ten Mor­gen noch ordent­lich was davon hat­te – durch­gän­gig. Und nicht zuletzt sol­che, bei denen Fen­chel­ge­mü­se einen unmit­tel­ba­ren Flucht­re­flex aus­löst, also zum Bei­spiel bei mir.

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Dabei kön­nen alle drei – Fenchel‑, Anis-Saat und Stern­anis – echt was. Ins­be­son­de­re in Kom­bi­na­ti­on mit Toma­ten oder Fisch oder Bouil­la­baisse oder Muscheln oder … even­tu­ell sogar Fenchelgemüse.

fertiger MixLetz­te­res aber nur mit des Koch­zi­vi­lis­ten Toma­ten­salz, was übri­gens nicht so heisst, weil es aus Toma­ten gemacht wäre (als Esels­brü­cke möge man an Baby­öl den­ken), son­dern weil das Zeugs ganz pracht­voll mit sel­bi­gen, also Toma­ten, har­mo­niert. Frisch oder eben getrock­net, wie die Bil­der erken­nen lassen.

Das mit den Toma­ten im Novem­ber ist natür­lich etwas anti­zy­klisch. Aber die haben mich kürz­lich in der Metro der­ma­ßen ange­lacht, da gab’s kein zurück. Nicht zuletzt, weil das, was da in der Nähe von Ven­lo pro­du­ziert wird, so rein gar nichts mehr mit den Vor­ur­tei­len gegen­über hol­län­di­schen Toma­ten zu tun hat. Da habe ich in Ita­li­en schon deut­lich schlap­pe­res Zeugs gegessen.

 

Tomaten, alle

Das ist kei­ne bezahl­te Wer­bung, son­dern Begeis­te­rung für die es nicht mal ’nen feucht-war­men Hän­de­druck gibt.

Die 2 ½ bis 3 cm dicken Kul­ler­chen haben einen Brix (unge­fäh­rer Zucker­ge­halt) von 8, was der Süße von „mäßi­gen Him­bee­ren oder Kir­schen” oder „guten Papri­ka” ent­spricht. Kann man hier nach­le­sen.

Die frisch schon enorm kräf­ti­gen Tömät­chen auch noch zu trock­nen, um auf die­se Wei­se den Geschmack wei­ter zu kon­zen­trie­ren, war eine gute Ent­schei­dung. Gera­de in Kom­bi­na­ti­on mit der fol­gen­den Toma­ten­salz-Rezep­tur, die recht ordent­lich gera­ten ist, wie ich – in aller Beschei­den­heit, ver­steht sich – fest­stel­len muss.

 

Tomatensalz 

Die cir­ca 100 Gramm Toma­ten­salz gehö­ren natür­lich nur zu einem Bruch­teil auf die 1,5 Kilo an Para­dei­sern. Der Rest kommt ganz nach eige­nem Gus­to auf was auch immer – Haupt­sa­che Toma­ten oder Fisch oder … ja, von mir aus auch Fenchelgemüse.

Zutaten TomatensalzZu rösten

(Vor­sich­tig und lang­sam. Fen­chel- und Anis­saat nei­gen zum schnel­len Verbrutzeln.)

  • 20 g Fenchelsaat
  • 12 g Anissaat
  • 1,4 g Stern­anis = ein gan­zer Stern (im Mör­ser grob angestoßen)
  • 1 g Kardamom

Nicht rösten:

  • 16 g Koch­zi­vi­lis­ten­pfef­fer: 4 Tei­le Tel­li­cher­ry-Pfef­fer (9,14 g) + 2 Tei­le Piper longum (4,57 g) + 1 Teil Piment (2,28 g). Wer Pfef­fer rös­tet kommt in die Gewürz­höl­le. Echt jetzt!
  • 40 g Salz
  • 10 g Zucker 

Tomatenparade, closeupNach dem Anrös­ten (tro­cken, was da heisst: ohne Öl!) alles extra fein mah­len oder statt Han­tel­trai­ning mör­sern und die Toma­ten damit ordent­lich aber nichts­des­to­trotz behut­sam berie­seln. Bei 65 – 70 °C für 6 bis 7 Stun­den Umluft im Back­ofen mit leicht geöff­ne­ter Tür dör­ren. Fer­tig. Der deut­li­che Rest vom Fen­chel-Anis-Toma­ten­salz auf alles streu­en, was nicht bei drei die Kühl­schrank­tür hin­ter sich zuge­zo­gen hat. 

TomatenparadeDas war’s auch schon. Kri­ti­sche Anmer­kun­gen zu poli­ti­schen The­men ver­kneif ich mir dies­mal. Haupt­sa­che nicht Jen­si Spahn und Frit­ze Merz. 

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Beim nächs­ten „Igitt­igitt …” geht es vor­aus­sicht­lich und vor­be­halt­lich erneu­ter Unlust um ein sehr fei­nes Ragout aus Hüh­ner-Her­zen und Hüh­ner-Mägen, bei uns lie­be­voll Pim­mel­gu­lasch genannt.